Pete Seeger: Protestsongs mit 89

Pete SeegerEr ist 89, zupft das Banjo, schlägt die Gitarre, singt und engagiert sich für den Umweltschutz. Für seine nach eigener Aussage "letzte CD" hat Seeger Freunde als Mitmusikanten und Sänger eingeladen

Pete Seeger ist lebendige Tradition, einer, der noch mit dem großen Wood Guthrie gespielt hat, als Linker in den USA Auftrittsverbot hatte und Bob Dylans Hinwendung zur Rockmusik zunächst nicht verstand.

Er hat gestritten, recht behalten und geirrt. Vor allem aber war er immer zur Stelle, wenn es darum ging, die Bürgerrechtsbewegung oder streikende Farmarbeiter zu unterstützen, und es gibt wohl kaum jemanden, der so viele Konzerte zugunsten von politischen Initiativen und Umweltschutzgruppen gegeben hat wie ihn.

Reich ist er damit klarerweise nicht geworden, und es sind gerade einmal die Tantiemen seines bekanntesten Songs Where have all the flowers gone, die seine Miete finanzieren.

Nun erzählt er kurze Geschichten aus seinem Leben, spielt witzige Instrumentals wie One Percent Phosphorous Banjo Riff und singt mit Wonderful Friends alte und neue Lieder. Bach at Treblinka und die Antikriegsballade Waist Deep in the Big Muddy werden vor den Meldungen aus dem Irak wieder aktuell: "We were waist deep in the Big Muddy, and the big fool said to push on." Und wenn seine Stimme allein nicht mehr trägt, springt ein Chor ein, um von der Hoffnung zu singen, dass einmal Bildung wichtiger sein könnte als der Ausbau der Armee.

Falls es es wirklich Seegers letzte CD ist, dann nimmt er mit Little Fat Baby Abschied. Das Lied über das Heranwachsen eines Kindes bezieht seine Stärke aus der Stimme des alten Mannes, die Hoffnung vermittelt, auch wenn sie singt Someday it'll be time for me to move on.

Pete Seeger: At 89, Appleseed Recordings

Gerald Jatzek, Wiener Zeitung Online, 3. Oktober 2008