Der Hund ist tot

Ihr werdet's nicht glauben, was mir passiert ist.« So beginnen Geschichten, die man in Wien erzählt. Der Betrunkene schwadroniert im Wirtshaus, die Krankenschwester flüstert der Kollegin ins Ohr, und der Taxifahrer erzählt mit ausschweifenden Nebensätzen, während er einen Umweg nach dem anderen fährt.
Um das Glauben geht es natürlich nicht. Der gelernte Wiener weiß, dass die Grenze zwischen erlebt und erfunden so fließend ist wie jene zwischen freundlich und hinterfotzig. Schließlich gibt es mehr als eine Möglichkeit, wie sich ein Fernseher in einen toten Hund verwandeln kann.

Drei Autoren haben diese Grätzelgeschichten verfasst. Jeder von ihnen ist in einem anderen Teil der Stadt aufgewachsen. So sind auch die Geschichten vielschichtig: Manche sind rührend, manche rüpelhaft, manche trotzig und hinterlistig. Sie spielen in allen 24 Bezirken, denn mit 23 haben die Autoren kein Auskommen. Und sie spielen in den überschaubaren Orten, die in Wien seit altersher als Grätzel bezeichnet werden. Gemeint ist damit die unmittelbare Umgebung, die dörfliche Struktur in der Stadt, auf gut amerikanisch: the hood.

Zum besseren Verständnis für Unkundige und Zuagraste ist ein umfangreiches Glossar beigefügt, das Manches erklärt, aber auch neue Fragen aufwirft.

Rezensionen

Entscheidend geprägt wurden die beiden Lesungen von den Wiener Autoren Manfred Chobot, Gerald Jatzek und Beppo Beyerl, die aus ihrem neu erschienenen Buch "Der Hund ist tot" lasen und unwiderlegbar bewiesen, dass die Literatur oft sehr viel näher an der Wirklichkeit ist als die Realität selbst: Den Herrn Prozentinger, der als arbeitsloser Alkoholiker sachlich zutreffend, aber völlig unzureichend beschrieben ist, oder Wirte wie Beppo Beyerls Herrn Bodeschwar muss es gegeben haben, sonst würde unserer Welt ein wesentliches Stück fehlen. Dieser oft tragikomisch-melancholische, aber verführerische Wiener Charme, entstanden aus einer kulturellen Melange, bestehend aus Wirtshausgemütlichkeit, Fatalismus, Gesellschaftssatire und Chuzpe begeisterte von Beginn an und machte deutlich, dass man sich keineswegs im literarischen Elfenbeinturm, sondern ganz tief im menschlichen Alltag bewegte.
Mindener Tagblatt, 09.10.2012

Wie mit Blitzlichtern ausgestattet beleuchten sie kurz die Vorstadt, die Substandardwohnung, das Café, das Spital, erzählen Alltägliches und Außergewöhnliches, Lustiges und Makabres. Im Blitzlicht entdeckt man ein Kind, das in der Nacht, allein in seinem Bett, zum Schutz gegen die Geräusche aus dem Schlafzimmer nebenan einen riesigen Bären beschwört. Oder einen Mann, der sich besser nicht an einen der vierzehn Nothelfer gewandt hätte.
Beyerl, Chobot und Jatzek erzählen von Skifahrern im Stiegenhaus, von Verkaufsshows und von originellen Lösungen zur Wohnungsverbesserung. Manch Klassiker erfährt in Der Hund ist tot eine neue Interpretation. So verlegt Gerald Jatzek die Story von Crossroads von Amerika nach Floridsdorf in den Wasserpark. Dass sein Hauptdarsteller Milanobock trägt und Jatzek damit diesen Ausdruck der Vergessenheit entreißt, ist ein netter Nebenaspekt.
Alszeilen, Nr. 3/2012

Die Geschichten in diesem mit Polaroids von marshall!yeti (Ferdinand ,Marshall’ Karl und Gerald Y Plattner) illustrierten Band können unterschiedlicher nicht sein: ein wahrlich buntes Bild einer lebendigen, sich laufend verändernden Großstadt Wien. Verfasst von drei Autoren, die als Spezialisten zu bezeichnen sind: Forscher der Wiener Seele und des Wiener Gemüts..
Rudolf Kraus in: Morgenschtean U34 (2012)

Das Buch

Schmäh ohne

Beppo Beyerl / Manfred Chobot / Gerald Jatzek: Der Hund ist tot, 330 Seiten, gebunden, zahlreiche Abbildungen, Löcker Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-85409-617-7

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