Flann O'Brien: Irischer Lebenslauf

Flann O'Brien"Ich habe wirklich Zeit meines Lebens am gälischen Ungemach gelitten. Ich glaube nicht, dass es meinesgleichen wieder geben wird."

Flann O'Briens tragikomische Beschreibungen des Lebens unter handgreiflichen Englischlehrern, gälisch grunzenden Schweinen und Marinegreifern nebst Kommentaren des Alten-Knaben und allerlei Sauf-, Rauf- und Liebesliedern

Flann O'Brien (1911-1966) gilt als einer der wichtigsten irischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er erzählt die Geschichte des Bonaparte O'Coonassa, der in einem Haus am Rande einer Schlucht geboren wird, in der Krippe beinahe am Gestank eines Schweines stirbt, an seinem einzigen Schultag Prügel bekommt, kurzfristig Vater und langfristig Häftling wird. Ein melancholisch-witziges Buch über die "Widrigkeiten des Lebens".

"Flann O'Brien hat das eigene Schreiben einmal 'gesunden Irrsinn' genannt. Das trifft es sehr genau." (FAZ)

Aus dem ersten Kapitel...

The Song Of Wandering Aengus

Words: William Butler Yeats, Music: Donovan Leitch

I went out to the hazlewood,
Because a fire was in my head,
And I cut and peeled a hazel wand,
And hooked a berry to a thread;
And when white moths were on the wing,
And mothlike stars were flickering out,
I dropped a berry in a stream,
And caught a little silver trout...

Zwangsräumung des Hauses verarmter Pächter in Irland, Lawrence Collection, National Library of IrelandNun, Martin, sagte mein Vater, der Wind steht von Norden, und um die White Bens spielt ein wenig einladender Zug; bevor noch der Morgen anbricht, wird es Regen geben und eine ekelhafte stürmische Nacht dazu, die uns zum Beben bringen wird, selbst wenn wir uns inmitten des eigentlichen Betts befinden. Und sieh dorthin! Martin, ist es nicht von schlechter Vorbedeutung, wenn sich die Enten in die Nesseln kauern? Schrecken und Unglück werden heute Nacht über die Welt kommen; das übel und der Seekater werden in der Dunkelheit umgehen, und wenn mich nichts trügt, wird keinem von uns beiden je wieder günstigeres Geschick winken.

Nun, in der Tat, Michelangelo, sagte Martin O'Bannassa, gar nicht gering ist, was du sagtest, und wenn du recht hast, so hast du nicht eine einzige Lüge ausgesprochen, sondern die Wahrheit selber.

Ich wurde um Mitternacht im Ende des Hauses geboren. Mein Vater hatte nie mit mir gerechnet, denn er war ein stiller Mensch und mit den genauen Umständen des Lebens nicht sonderlich vertraut. Mein kleiner kahler Schädel versetzte ihn in ein solches Erstaunen, dass er beinahe aus diesem Leben schied, als ich es betrat, und es war tatsächlich ein Elend und überaus schädlich für ihn, dass er es nicht wirklich tat, denn nach jener Nacht gab es für ihn nie mehr etwas anderes als nicht enden wollendes Missgeschick, und die Welt zerstörte und zerfetzte ihn und raubte ihm für den Rest seines Lebens die Gesundheit. Die Leute sagten, meine Mutter habe mich ebenfalls nicht erwartet, und es ist Tatsache, dass ein Geflüster umging, welches besagte, ich sei gar nicht von meiner Mutter, sondern von einer anderen Frau geboren worden. All das indessen ist nur Gerede der Nachbarn und kann auch nicht mehr nachgeprüft werden, weil alle Nachbarn tot sind und weil es ihresgleichen nie mehr geben wird. Meinen Vater sah ich nicht, bis ich erwachsen war, aber das ist eine andere Geschichte, und ich werde sie an anderer Stelle dieses Dokuments erwähnen.

Über das Programm

Gerald Jatzek & Christian Orou